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22.05.2012 20:10 Alter: 1 Jahre
Kategorie: Ausgabe Mai 2012, Nr. 985

Hyaluronsäure in der Wundbehandlung

Hyaluronsäure ist ein Glykosaminoglykan und gilt als Hauptbestandteil der extrazellulären Matrix. Im Rahmen der Wund­heilung nimmt sie in allen Phasen Einfluss - Steuerung von Entzündungsprozessen, Förderung von Zellmigration bzw. -proliferation, Angiogenese, Reepithelisierung bzw. Narbenbildung. Diese wundheilungsfördernden Wirkungen lassen Hyalu­ronsäure für die Behandlung akuter wie chronischer Wunden interessant erscheinen.


Dieses hochvisköse und stark wasserbindende Polysaccharid wird – im tierischen wie menschlichen Organismus in identer Struktur – in Zellmembranen synthetisiert. Das Vorkommen von Hyaluronsäure im menschlichen Körper kann als beinahe ubiqui­tär bezeichnet werden – höhere Konzentrationen sind in Haut, Synovialflüssigkeit der Gelenke bzw. Glaskörper des Auges zu finden. Besonders viel Hyaluronsäure bilden dermale Fibroblasten und epidermale Keratinozyten – dementsprechend befinden sich 50% des gesamten Körperbestandes in der Haut. Hyalu­ronsäure ist verantwortlich für die Aufrecht­erhaltung des Wasserhaushaltes im Körper und von großer Bedeutung für den Gewebsturgor. Zudem ist sie maßgeblich an der Regulation von Informationsaustausch bzw. Signalübertragung zwischen den Zellen beteiligt.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die vielfältigen Effekte der Hyaluronsäure haben bislang zahlreiche Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Hierzu zählen etwa die intraartikuläre Applikation wie auch ergänzende orale Einnahme im Rahmen von Arthrosen oder ophtalmologische Anwendungen (z.B. bei Katarakt-OP’s, in Augentropfen zur Behandlung des „trockenen Auges“, in Reinigungs- und Pflegelösungen für Kontaktlinsen). Zudem findet das feuchtigkeitsspendende Wirkprinzip mit konsekutiv verbesserter Abheilung von Läsionen bzw. Irritationen Grundlage für den Einsatz von unterschiedlichsten Applikationsformen in weiteren Schleimhautgebieten (z.B. Nase, Rachen, Vagina). Breite Anwendung findet Hyaluronsäure darüber hinaus in der ästhetischen Medizin zur „Hautverjüngung“ bzw. tempo­rä­ren Beseitigung oder Reduktion von Hautfalten. Nicht zuletzt eignet sie sich auch als Trägermedium zur dosierten Freisetzung von Wirk­stoffen (drug delivery system) bzw. als Aufwachssupport und/oder Trägermedium bei der Zellkultivierung (tissue engineering).

Bedeutung für die Wundheilung

Unter den zahlreichen Einsatzgebieten nimmt jedoch die Wundbehandlung eine zentrale Stellung ein. Dabei entfaltet die Hyaluronsäure in allen Phasen ihre Wirkungen und beeinflusst somit die Heilung akuter wie chronischer Wunden günstig.

Hämostase und Entzündungsphase: Nach einer Verletzung kommt es zunächst zur Ausbildung eines Koagels, das eine provisorische Matrix bildet. Entzündung und Exsudation stehen in dieser Phase im Vordergrund. Makrophagen und Neutrophile wandern ein – es kommt zur Produktion von inflammatorischen Zytokinen und Wachstumsfaktoren, welche wiederum die Migration von Fibroblasten und Epithelzellen in das Wundgebiet stimulieren. Hyaluronsäure fördert bzw. moduliert all diese Entzündungsvorgänge, damit sich eine stabile Matrix bilden kann. Zudem wird die Phagozytosefähigkeit der Makrophagen erhöht und somit nekrotisches Material rasch beseitigt. Neben Zellmigration und -differenzierung fördert Hyaluronsäure also auch das Zellverhalten hinsichtlich Phagozytose und Adhäsion, stimuliert bzw. reguliert die Bildung entzündungsfördernder Zytokine und übt einen aktiven Radikalenfang bzw. antioxidative Wirkungen aus.

Granulations-/Proliferationsphase: Das Granulationsgewebe besteht zu einem großen Teil aus eingewanderten Fibroblasten und neu gebildeten kapillären Gefäßen sowie Kollagen, Fibronektin und Hyaluronsäure. Letztere ist imstande, ein Tausendfaches des Eigengewichtes an Feuchtigkeit zu absorbieren. Das derart angereicherte Granulationsgewebe bildet eine stark hydratisierte Matrix, in der die Zellabstände durch einen erhöhten osmotischen Druck derart erweitert sind, dass die Migration von Fibroblasten und Keratinozyten erleich­tert wird. Daneben fördert Hyaluronsäure die Rezep­tor (CD44, RHAMM)-vermittelte Zellmigration. Zudem wird die Zellproliferation gesteigert (durch Förderung der Mitose und Ablösung von Zellen). Vermittelt durch Hyalu­ronsäure wird das entstehende Granulationsgewebe stabilisiert und somit die Entzündungsvorgänge abgeschwächt. In der Folge ist ein Abbau von Hyaluronsäure zu niedermolekularen Polymeren zu beobachten, welche die Neoangiogenese im Sinne des Einsprossens von Gefäßknospen ins Granulationsgewebe stimulieren. Dadurch ver­bessert sich die Versorgungssituation im Wundgebiet und ein ausreichender Zustrom von Nährstoffen, Sauerstoff und immunkompetenten Zellen beschleunigt konsekutiv die Wundheilung.

Reepithelisierung und Remodelling/Narbenbildung: Die Reepithelisierung erfolgt durch eine Migration von Keratinozyten. Hya­luron­säure greift hier sowohl im Sinne der Stimulation wie auch Regulation von Kerati­no­zy­ten­funktionen ein – zum Einen wird die Migration gefördert und zum anderen die Proliferation angeregt wie auch kontrolliert.
Narbengewebe besteht aus Kollagen, elastischen Fasern und Proteoglykanen. Die Hyaluronsäure spielt eine wesentliche Rolle in der Kontrolle der Narbenbildung. So wird durch eine hyaluronsäurereiche Matrix die Kollageneinlagerung verringert und somit eine geringere Narbenbildung erreicht.

Klinische Konsequenzen für die Wundbehandlung

Hyaluronsäure eignet sich zur Behandlung akuter wie chronischer Wunden. Das entspre­chende Spektrum ist groß und reicht von Verletzungs-(Schürf-, Schnitt-) bzw. Operationswunden über Verbrühungen bzw. Verbrennungen (z.B. Sonnenbrand) bis hin zu Ulzera, Fisteln, Fissuren, Rhagaden bzw. Alters- oder Kortikoid-Langzeittherapie-bedingter Atrophie. Darüber hinaus ist das narbenreduzierende Potential dieser Substanz zu beachten.                          –mb–

Literatur:

  • Hoppe HD, Lohmann R; Hyaluronsäure – ihre Bedeutung für die Wundheilung; Medizin & Praxis - Sonderheft „Chronische Wunden“ 2008; 77-82
  • Schuller-Petrovic S; Modernes Wundmanagement; 7. August 2009; www.hausarzt-online.at
  • Bionect® – schnelle und schöne Wundheilung mit Hyaluronsäure; ÖAZ 2011; 11. April; S 37

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